Praxis ohne Namen

Walter Seidl 2008

 

Die Malerei von Iris Dostal greift persönliche Momente einer Realität auf, die auf Erfahrungen zurückgehen, die sich in Grenzbereichen des Wahrnehmbaren aufhalten und nach einer expressiven Artikulationsweise verlangen. Die malerische Geste, die Dostal einsetzt, bezieht sich auf eine Überlagerungstechnik von Schichten, die Ebenen des Bewusstseins reflektieren, das als Moment des Nicht-Visuellen auf der Leinwand sichtbar gemacht wird. In jedem Bild treten mehrere dieser Schichten auf, die die scheinbare Abstraktion figürlich werden lässt und eine Dreidimensionalität des Raumes erzeugt. Dostal lässt die Materialität und Beschaffenheit von Farbe auf der Oberfläche ihrer Malerei sichtbar werden, indem die am Kreidegrund entlang fließende Eitempera die Grenzen des zur Verfügung stehenden Umraumes auslotet. Ihre Arbeit dreht sich um die Verletzbarkeit von Materialien um Momente der Kontemplation zu evozieren. (...)


 

 

Tauschen und Täuschen

Erwin Fiala 2009

 

Iris Dostal nutzte die Gelegenheit, die ihr die Waldlandschaft um Stift Rein bot, und sie tauschte den traditionellen Atelierraum mit einem Stück Wald. Hier wird ein besonderes Merkmal des künstlerischen Ansatzes von Iris Dostal evident – es geht ihr weniger um das Endprodukt als vielmehr um den Arbeitsprozess, um die experimentelle Interaktion selbst. Der Gestaltungsprozess ist die experimentelle Erfahrung bzw. die experimentelle und existenzielle Erfahrung ist bereits künstlerische Aussage. Das Atelier – in welcher Form auch immer – ist für sie ein Labor, das zur Erweiterung der Formensprache dient und in dem Versuchsanordnungen entstehen, die dokumentiert, weiterverarbeitet, fixiert und wieder verworfen werden. Ein zentrales Moment ist dabei die Bedeutung des Begriffs des „Tauschens“ im Sinne des Austauschs, aber auch der Wandlung und Umwandlung bzw. des Spiegelaspekts.
Auf sprachlicher Ebene genügen bereits kleinste Unterschiede, um völlig neue Bedeutungen entstehen zu lassen.
So tauscht sie auch die primär visuelle Qualität des klassischen Tafelbildes mit der räumlichen und haptischen Qualität einer mit den Baumstämmen verspannten Leinwand – die Leinwand ist nicht länger nur ein Bildträger sondern sie wird zur Installation. Gleichzeitig erfolgt dadurch ein verstärktes Sichtbarmachen des Waldes an sich, eine Bewusstmachung dessen, was da ist. Für Iris Dostal ergibt sich die Kraft und Wirkung eines Bildes nicht allein aus dem Darstellungsprinzip sondern vielmehr aus den fundamentalen Elementen der Fläche, Farbe, der Formensprache und auch der Materialität einer Leinwand selbst. Als Teil einer umfassenderen Arbeit fungiert die Installation einerseits als eigenständige Arbeit und andererseits als Setting für weitere Arbeiten – Photographien, Pigmentdrucke, eine neue Rauminstallation. Die bemalte Fläche der Leinwand blieb ungrundiert, so dass die Farbe durchschimmerte und die Leinwand auf beiden Seiten lesbar wurde – die Leinwand wurde zu einer Membran mit Spiegelaspekten. (...)

 

 

 

ART AND SIGNATURE / Sabrina Möller / 2013

Durch die reflektierende Oberfläche eines Spiegels, die ein virtuelles Abbild der Wirklichkeit erzeugt, kann sich ein Subjekt visuell selber betrachten. Die Funktion des Spiegels in der Gesellschaft ist eine Art Überprüfung des Blickes von außen. Wie wird man von einem anderen Subjekt wahrgenommen? (.....)